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Bits & Bäume Neujahrsempfang - Kampagnenauftakt für eine gerechte, demokratische digitale Zukunft

Am 21.1.2026 sind wir als Bits & Bäume Trägerkreis und Community gemeinsam ins neue Jahr gestartet. Dass digitalpolitische Themen vielen Leuten immer noch unter den Nägeln brennen, haben wir am großen Interesse an unserer Veranstaltung gemerkt: mit rund 80 Teilnehmenden war das Weizenbaum-Institut richtig voll! Die Veranstaltung markierte gleichzeitig den Auftakt einer Kampagne, die wir als Bits & Bäume im nächsten Jahr aufziehen wollen: für eine gerechte, demokratische digitale Zukunft. Es folgt ein Bericht von der Veranstaltung.

30.01.2026 Leo

Warum wir uns grade jetzt mit demokratischen digitalen Infrastrukturen beschäftigen sollten, zeigt Bits & Bäume Koordinatorin Friederike (Rike)Hildebrandt in ihrem Input gleich zu Anfang auf: zunehmender AI Boom, eine AfD, die von Elon Musk unterstützt wird und die Gefahr von großen Tech Unternehmen für Demokratie und Menschenrechte. Es muss also etwas passieren. Doch das ist gar nicht so einfach, denn Big Tech kontrolliert nicht bloß Plattformen, sondern auch digitale Infrastrukturen auf allen Ebenen des digitalen Lebens, sowie Wissen, das zur Entwicklung digitaler Technologien nötig ist.

Unter dem Schlagwort „Digitale Souveränität“ werden öffentlich bereits Ideen wie der EuroStack oder DeutschlandStack diskutiert, die vor allem europäische und deutsche Unternehmen stärken wollen. Aber, so führt Rike weiter aus, diese ließen relevante Aspekte wie Ökologie, Open Source und Gemeinwohlorientierung aus und fokussierten sich meist auf Wirtschaftsförderung.

An diesem Punkt soll schließlich auch die Bits & Bäume Kampagne ansetzen: für digitale Souveränität unter demokratischer Kontrolle, die Klimaschutz, Gemeinwohl, globale Gerechtigkeit und digitale Selbstverwaltung als Maßstäbe anlegt. Eine Herausforderung sei es nun, so Friederike, diese Kampagne zuzuspitzen und die konkreten politischen Hebel zu identifizieren, mit denen wir reale Veränderung erzielen könnten.

Und genau darum geht es im nachfolgenden Panel mit folgenden Panelisten: • Dominik Pietrón: wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Frankfurt, forscht zur Rolle Digitaler Plattformen, sowie den Möglichkeiten demokratischer und öffentlicher Gestaltung • Jan-David Franke: Referent Politik und öffentlicher Sektor bei Wikimedia Deutschland, arbeitet zu gemeinwohlorientierten digitalen Infrastrukturen und Informationsfreiheit • Nicolas Guenot: Mitbegründer von B&B, Konzeptwerk neue Ökonomie Mitarbeiter, arbeitet zur öffentlicher digitaler Infrastruktur

In einem Punkt sind sich die Panelisten direkt einig: bei digitaler Souveränität sollte es nicht um die Souveränität von Markt und Kapital gehen, sondern vielmehr um Nutzer*innen und Gesellschaft. Dominik Pietrón schlägt an Stelle des Begriffs Digitaler Souveränität den Begriff von digitaler Demokratie oder digitaler Selbstverwaltung von unten vor. Wikimedia ist vor allem an einer Commons Logik interessiert und will diese ausbauen.

An dieser Stelle schlägt Rike den Bogen zu Strategien, um diese großen Ziele umzusetzen. Sie schlägt eine Doppelstrategie vor: dezentrale Alternativen aufbauen und gleichzeitig Big Tech zurückdrängen. Sie schlägt außerdem vor, für letzteres beim Kartellrecht anzusetzen. Da stimmen auch Dominik und David zu. Sie ergänzen, dass es vor allem an den Wettbewerbsbehörden der EU sei, diese aber deutlich schneller und proaktiver handeln müssten. Wichtig im Kampf gegen Big Tech sei außerdem Interoperabilität, die ermögliche, Dienste freier zu wählen. Nico stellt außerdem noch die größere Frage in die Raum, ob und wie wir bestimmte Plattform eigentlich haben wollen, anstatt uns nur zu fragen, wie sie anders geführt werden könnten.

David schlägt vor, digitale Infrastrukturen mehr als Daseinsvorsorge und Gemeingüter zu betrachten, wie wir es zum Beispiel mit Straßen und Schulen machen. Und diese Daseinsvorsorge müsste mehr zur Befriedigung unserer Bedürfnisse, als nach den Profitlogiken der großen Konzerne funktionieren. Dominik führt aus, dass er dabei eine zentrale Planung der Daseinsvorsorge mit basisdemokratischen Elementen sinnvoll findet. Es sollte nicht einfach darum gehen, bestehende Infrastrukturen zu vergesellschaften, sondern ein Umstrukturieren und ein Aussortieren anhand von Bedürfnissen und ökologischer Nachhaltigkeit vorzunehmen. Vor allem den Kommunen schreibt er hierbei eine zentrale Rolle zu, in unabhängige OpenSource Alternativen zu investieren, statt proprietäre Software einzukaufen. Generell sollte dem Staat die Rolle zukommen, unabhängige Alternativen ganz aktiv zu fördern.

Im Gespräch wird immer wieder die Rolle von Wikipedia hervorgestellt als erfolgreiches Projekt, das vor allem durch eine große Community Ehrenamtlicher selbstverwaltet wird und es geschafft hat, sich als eine der größten weltweiten Websites zu halten. Die Wikimedia Organisationen in 80 verschiedenen Ländern übernähmen dabei vor allem die Rolle als Ermöglicherinnen, die aber nicht in die Community Governance reinfunken.

Gegen Ende des Gesprächs werden nochmal konkrete Vorschläge ausgetauscht, was es jetzt zutun gäbe. Dominik betont, dass es statt einzelner Vorschläge eine Art 10-Punkte Plan bräuchte, der es ermögliche, institutionellen Wandel voranzubringen. Auch betont er die Relevanz von kollektiver informationeller Selbstbestimmung, die zum Beispiel in Form von Plattformräten umgesetzt werden könnte. So würde es direkt eine Instanz geben, die die Interessen der Datensubjekte bzw User*innen gegenüber den Plattformen verträte, ähnlich einem Betriebsrat. Außerdem bräuchte es einen Fond für digitale Transformation, mit dem zum Beispiel die zentrale Entwicklung wichtiger Basiskomponenten zum Aufbau digitaler Infrastrukturen vorangebracht werden könnte. Auch die Förderung von selbstverwalteten Datenzentren könnte aus einem solchen Fond finanziert werden.

David greift noch eine Wikimedia Forderung auf: was aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, sollte auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Nach dem Motto: public money, public good! Dominik merkt hier jedoch an, dass es aus der Commons Forschung die Erkenntnis gibt, dass sich Gemeingüter vor allem nachhaltig halten, wenn sie auf gewissen Exklusionsrechten basieren, d.h. also aktiv verhindert würde, dass Big Tech weiterhin gefährliche Symbiosen mit der Open Source und Open Data Bewegung eingehe. Schließlich fordert David noch ganz grundsätzlich, dass die Demokratie aus der Lobbyhand befreit werden müsse.

Nico betont, dass es in diesen Kämpfen für demokratische digitale Infrastrukturen auch langfristige Visionen bräuchte, denn die alleinigen Forderungen nach mehr Regulierung würden schließlich zu kurz greifen. Im Aufbau der Alternativen von unten hebt Nico nochmals die zentrale Rolle der Kommunen hervor. Bewegungen müssten außerdem große Allianzen mit Institutionen und Kommunen eingehen, um dort gemeinsam an den Lösungen der Zukunft zu arbeiten. Denn wenn es uns schließlich gelänge, das Haus der großen Tech Konzerne zum kollabieren zu bringen, sei es umso wichtiger, dass die demokratischen Alternativen von Morgen bereits existierten.

Hinweis: Die Aufzeichnung von Rikes Input und dem Panel findet ihr hier.

Diese Veranstaltung und die Arbeit der Bits & Bäume-Koordinationsstelle wird gefördert durch die Stiftung Mercator. Logo Stiftung Mercator

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