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Die Cloud zurückerobern - Rückblick auf unser Policy Lab
Die Cloud zurückerobern - aber wie? Darum ging es bei unserem Policy Lab am 13.4. im Weizenbaum Institut. Wir haben über aktuelle Herausforderungen mit Rechenzentren, Widerstand dagegen und alternative, community-zentrierte Lösungen diskutiert. Ein kurzer Rückblick.
20.04.2026 Friederike Hildebrandt
Panel mit Antoine, Julian Bothe, Rainer Rehak, Tara Merk und Anne Pasek (v.l.)
Unsere Veranstaltung kam genau zum richtigen Zeitpunkt, denn aktuell wird die Novelle des Energieeffizienzgesetzes geplant, die leider ein harter Rückschritt auf dem Weg zur Transparenz und Nachhaltigkeit von Rechenzentren ist. Details können in unserem Verbändebrief gemeinsam mit AlgorithmWatch nachgelesen werden.
Dabei gibt es viele Vorstellungen und Ideen, wie Rechenzentren in Zukunft nachhaltiger und ökologischer aussehen können. Tara Merk von der „Community Data Center Group“ hat an diesem Abend ihre Forschungsergebnisse vorgestellt, wie Zukunftsideen für ein Community-Data-Center aussehen könnten.
Das sind Rechenzentren, die für und von Communities betrieben werden. Das bedeutet natürlich auch, dass es sich nicht um KI-Hyperscaler handelt, sondern um regionale Versorgung mit Rechenleistung für Privatpersonen, kleine Unternehmen oder Verwaltungen. Und die Ideen dafür sind vielseitig – von Rechenzentren, deren Wärme für Sauna-Landschaften genutzt wird, Rechenzentren mit Bibliotheken und Schwimmbädern, zu künstlerischen Glas-Rechenzentren in der Stadt. Gemeinsam haben diese Ideen, dass sie von den Menschen vor Ort gestaltet werden und für die Menschen funktionieren. Weitere Informationen zu den Ergebnissen gibt es hier: https://www.weizenbaum-institut.de/forschung/forschungsprojekte/community-data-centers/
Solche Forschung ist bitter nötig, weil viele der aktuell geplanten Rechenzentrumsprojekte in Deutschland und Europa vor allem Dinge riesige Hyper-Scaler für generative KI sind. Eine Industrie, die, wie Julian Bothe am Abend vorgestellt hat, massiv von der Politik gestützt wird.
Allerdings zeigen die Zeichen schon länger darauf, dass der Hype um die generative KI auf einer Wirtschaftsblase beruht – und wenn diese Blase platzt und die Rechenzentren plötzlich nicht mehr lukrativ sind – was passiert dann? Über genau diese Data-Center-Ruins hat Anne Pasek gesprochen. Was passiert mit gigantischen Server-Centern, die manchmal so groß sind wie ganze Bezirke, wenn sie plötzlich nicht mehr gebraucht werden? Was macht es mit einer Community, wenn ein leerer, grauer Kasten in der Nachbarschaft steht, an dem plötzlich – trotz Millioneninvestitionen – niemand Interesse hat?
Diese Zukunft rückt mit der KI-Blase am Horizont immer näher und deswegen ist es auch wichtig, dass Kommunen und Bürger*innen sich selbstbestimmt einbringen, wenn es darum geht, ob und welche Rechenzentren bei ihnen gebaut werden. Deswegen waren an diesem Abend Antoine und Ibo von der französischen Protestgruppe La Nuage était sous nos pieds (Cloud ist unter unseren Füßen) besonders inspirierend: Sie berichteten von ihrem Einsatz für Umweltschutz und Mitbestimmung in Marseille, wo ein Großteil der Rechenzentren Frankreichs geplant und gebaut werden. Mit Fahrradtouren, Nachbarschaftsarbeit, Protest und politischen Gesprächen setzen sie sich dafür ein, die Ökologie ihrer Stadt zu bewahren. Hier geht's zu ihrer Website: https://lenuageetaitsousnospieds.org/
Den ganzen Abend kann man sich auf YouTube anschauen, dort werden leider die vielen guten Gespräche bei Wein und Häppchen nicht deutlich, die wir danach über die Zukunft von KI und Rechenzentren hatten.